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<title>Niello</title>
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<h1 id="firstHeading" class="firstHeading mw-first-heading"><span class="mw-page-title-main">Niello</span></h1>
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<p><b>Niello</b> bezeichnet eine Verzierung auf <a href="Silber" title="Silber">Silber</a>, seltener <a href="Gold" title="Gold">Gold</a>, in neuerer Zeit auch auf <a href="Kupfer" title="Kupfer">Kupfer</a> und <a href="Bronze" title="Bronze">Bronze</a>, die aus <a href="Gravur" title="Gravur">eingravierten</a>, gemeißelten, geätzten oder durch Stahlplatten eingepressten, mit einer schwarzen Farbe ausgefüllten Zeichnungen besteht. Auch die schwarze Farbmasse selbst wird so bezeichnet.<sup id="cite_ref-1" class="reference"><a href="#cite_note-1"><span class="cite-bracket">[</span>1<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Weitere Bezeichnungen sind <b>Blachmal</b>, <a href="Althochdeutsch" class="mw-redirect" title="Althochdeutsch">althochdeutsch</a> für „Schwarzfleck“ – bezogen auf die durchschwefelte Silberschlacke – oder <b>Tula</b> nach der russischen Stadt <a href="Tula" title="Tula">Tula</a>.
</p><p>Das italienische Wort Niello leitet sich ab vom <a href="Latein" title="Latein">lateinischen</a> <i>nigellus</i>, „schwärzlich“. Das Anbringen von Niello heißt <i>niellieren</i>.<sup id="cite_ref-2" class="reference"><a href="#cite_note-2"><span class="cite-bracket">[</span>2<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Der Verfertiger von Niello-Arbeiten wird <i>Nielleur</i> bzw. <i>Niellierer</i> genannt.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Technik">Technik</h2></div>
<p>Für die schwarze Masse schreibt <a href="Benvenuto_Cellini" title="Benvenuto Cellini">Cellini</a> 1 Unze Silber, 2 Unzen Kupfer und 3 Unzen Blei vor, der ältere <a href="Theophilus_Presbyter" title="Theophilus Presbyter">Theophilus</a> 4/7 Silber, 2/7 Kupfer, 1/7 Blei. Die Menge des Schwefels wird nicht genau angegeben. Nach <a href="Plinius_der_%C3%84ltere" title="Plinius der Ältere">Plinius</a> sollen die Ägypter diese Masse aus Silber und Schwefel zu gleichen Teilen und 1/3 Kupfer hergestellt haben.
</p><p>Diese Bestandteile sind wiederholt zusammenzuschmelzen, bis die beim Erkalten in Kügelchen zerfallende schwarze Masse ein gleichmäßiges Gefüge zeigt. Dann wird sie zerstoßen und das zu niellierende Metall, welches durch Wasser mit ein wenig <a href="Borax" title="Borax">Borax</a> angefeuchtet wurde, gänzlich damit bedeckt. Als Grundmetall eignet sich Silber am besten, auch Goldlegierungen mit hohem Feingehalt können verwendet werden. Kupfer, Messing und <a href="Neusilber" title="Neusilber">Neusilber</a> sind weniger geeignet, da das Niello nicht haftet. Über glühenden Kohlen oder im Ofen wird nun das Niello aufgeschmolzen, nach dem Erkalten aber weggeschabt, so dass lediglich noch die vertieften Stellen der Platte davon erfüllt bleiben. Endlich wird das Ganze abgeschliffen und poliert. Dadurch bilden die schwarz ausgefüllten Stellen einen Kontrast zu den glänzenden Metallflächen. Das Verfahren ähnelt der Technik des Emaillierens. Galvanoplastisches Niello erzeugt man auf die Weise, dass man die Metallgegenstände mit Ätzgrund überzieht, in letztere Zeichnungen graviert und diese durch Ätzen vertieft. Man bringt dann den Gegenstand in den galvanoplastischen Apparat, bis durch das niedergeschlagene Kupfer die Züge ausgefüllt sind, wäscht den Ätzgrund ab und schleift und poliert die Oberfläche.
</p><p>Das Pulver ist heute fertig im Fachhandel zu erwerben. Eine weitere Möglichkeit des Vorgangs: Das Pulver wird mit <a href="Salmiakgeist" class="mw-redirect" title="Salmiakgeist">Salmiakgeist</a> oder hochprozentigem Alkohol zu einem feinen Brei vermischt (Wasser würde beim Erhitzen zu kochen beginnen und die Mischung aus der Vertiefung schleudern). Dieser wird mit einem Spatel in die Vertiefungen eingebracht, mit einer weichen Flamme wird das Metall erhitzt, schließlich mit einer spitzeren das Niello zum Schmelzen gebracht. Mit einer spitzen Nadel können die kleinen Bleikügelchen an der Oberfläche verzogen werden. Wenn das Werkstück erkaltet ist, kann das Niello plan gefeilt werden, dazu muss beachtet werden, dass aufgrund des Bleigehalts die Feilung nicht mit Edelmetallfeilung vermischt werden darf, auch sollte separates Werkzeug verwendet werden.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Geschichte">Geschichte</h2></div>
<p>Die Niellotechnik war bereits im alten Ägypten und im antiken Griechenland bekannt. Bereits im Grab der Pharaonin Ahhotep (1580-1540 v. Chr.) fand sich ein Brustschmuck, eine Axt und ein Dolch in Niello-Technik, ebenso wie auch in mykenischen Schachtgräbern von ca. 1600 v. Chr.<sup id="cite_ref-3" class="reference"><a href="#cite_note-3"><span class="cite-bracket">[</span>3<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Das Niello war besonders im Mittelalter beliebt, herausragende Beispiele sind der <a href="Tassilokelch" title="Tassilokelch">Tassilokelch</a> und der Paderborner Tragaltar des <a href="Roger_von_Helmarshausen" title="Roger von Helmarshausen">Roger von Helmarshausen</a>. Ein hervorragender Meister der Frührenaissance war <a href="Finiguerra" class="mw-redirect" title="Finiguerra">Finiguerra</a> in <a href="Florenz" title="Florenz">Florenz</a> um 1450.
</p><p>Um 1885–1889 hatte die Nielloarbeit ihren Hauptsitz in Russland. Am bekanntesten waren die in <a href="Tula" title="Tula">Tula</a> verfertigten silbernen Tabaksdosen, vorzügliche Arbeiten wurden aber auch in <a href="Wologda" title="Wologda">Wologda</a> und <a href="Weliki_Ustjug" title="Weliki Ustjug">Weliki Ustjug</a> hergestellt. Eine besondere Anwendung findet das Niello zur schwarzen Ausfüllung der Ziffern und Teilstriche des Minutenkreises auf metallenen Uhrzifferblättern sowie zur <a href="Email" title="Email">Emaillierung</a> goldener Uhrgehäuse.
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Niellodruck">Niellodruck</h2></div>
<p>Als <i>Niellen</i> oder <i>Nielli</i> (Einzahl <i>Niello</i>) bezeichnet man auch <a href="Grafik" title="Grafik">Druckgraphiken</a> auf Papier oder anderen Trägern, die durch den Abdruck von nach Art der Niellotechnik gravierten Platten entstanden. Dabei handelt es sich um ein <a href="Tiefdruckverfahren" title="Tiefdruckverfahren">Tiefdruckverfahren</a>. Die in die Platte gravierten Eintiefungen werden nicht mit der Niellopaste gefüllt, sondern mit Farbe bestrichen und ergeben so im Abdruck auf Papier ein seitenverkehrtes Bild der gravierten Stellen.
</p><p>Da die mittelalterlichen Goldschmiede vermutlich auf diese Weise Abdrücke von ihren Niello-Gravierungen nahmen, um die Muster aufbewahren und übertragen zu können, brachte man die Niellodrucke mit der Vorgeschichte der <a href="Kupferstich" title="Kupferstich">Kupferstecherkunst</a> in Verbindung.<sup id="cite_ref-4" class="reference"><a href="#cite_note-4"><span class="cite-bracket">[</span>4<span class="cite-bracket">]</span></a></sup> Kritiker halten die in verschiedenen Kupferstichsammlungen aufbewahrten Niellen jedoch für spätere Abdrucke von Kupferplatten. Laut <a href="Walter_Koschatzky" title="Walter Koschatzky">Walter Koschatzky</a> ist der Niellodruck nicht als Vorläufer des Kupferstichs anzusehen, da keiner der erhaltenen Niellodrucke vor dem Aufkommen des Kupferstichs datiert werden kann und es sich bei vielen Exemplaren um Fälschungen des 19. Jahrhunderts handelt.<sup id="cite_ref-5" class="reference"><a href="#cite_note-5"><span class="cite-bracket">[</span>5<span class="cite-bracket">]</span></a></sup>
</p>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Literatur">Literatur</h2></div>
<ul><li>Hans-Dieter Dobler, Werner Doll, Ulrich Fischer – <i>Metalltechnik. Grundbildung</i>, Europa-Fachbuchreihe für Metallberufe von Europa-Lehrmittel, Januar 2007, ISBN 3-8085-1111-7</li>
<li><a href="Erhard_Brepohl" title="Erhard Brepohl">Erhard Brepohl</a> – <i>Theorie und Praxis des Goldschmieds</i>, Hanser Fachbuchverlag, 2003, ISBN 3-343-00004-3</li>
<li>Antje Bosselmann: Niello, in: <i>Reallexikon zur Byzantinischen Kunst</i>, Stuttgart, begründet von <a href="Klaus_Wessel" title="Klaus Wessel">Klaus Wessel</a> und <a href="Marcell_Restle" title="Marcell Restle">Marcell Restle</a>, unter Mitwirkung von Birgitt Borkopp, Barbara Schellewald, Thomas Steppan, <a href="Lioba_Theis" title="Lioba Theis">Lioba Theis</a>, Bd. 7, Stuttgart 2004, Sp. 966–976</li></ul>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Weblinks">Weblinks</h2></div>
<div class="sisterproject" style="margin:0.1em 0 0 0;"><div class="noresize noviewer" style="display:inline-block; line-height:10px; min-width:1.6em; text-align:center;" aria-hidden="true" role="presentation"><span class="mw-default-size" typeof="mw:File"><span title="Commons"></span></span></div><b><span class=""><a class="external text" href="https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Niello?uselang=de"><span lang="en">Commons</span>: Niello</a></span></b> – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien</div>
<div class="mw-heading mw-heading2"><h2 id="Einzelnachweise">Einzelnachweise</h2></div>
<ol class="references">
<li id="cite_note-1"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-1">↑</a></span> <span class="reference-text"><i><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.duden.de/rechtschreibung/Niello">Niello.</a></i> In: <a href="Duden#Duden_online" title="Duden">Duden online</a>, abgerufen am 1. April 2017.</span>
</li>
<li id="cite_note-2"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-2">↑</a></span> <span class="reference-text"><i><a rel="nofollow" class="external text" href="https://www.duden.de/rechtschreibung/niellieren">Niellieren.</a></i> In: Duden online, abgerufen am 1. April 2017.</span>
</li>
<li id="cite_note-3"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-3">↑</a></span> <span class="reference-text">Jochem Wolters: <cite style="font-style:italic">Niello Im Mittelalter</cite>. In: Uta Lindgren (Hrsg.): <cite style="font-style:italic">Europäische Technik im Mittelalter</cite>. 3. Auflage. Gebr. Mann Verlag, Berlin 1998, <span style="white-space:nowrap">S.<span style="display:inline-block;width:.2em"> </span>169–186</span>.<span class="Z3988" title="ctx_ver=Z39.88-2004&rft_val_fmt=info%3Aofi%2Ffmt%3Akev%3Amtx%3Abook&rfr_id=info:sid/de.wikipedia.org:Niello&rft.atitle=Niello+Im+Mittelalter&rft.au=Jochem+Wolters&rft.btitle=Europ%C3%A4ische+Technik+im+Mittelalter&rft.date=1998&rft.edition=3.+Auflage&rft.genre=book&rft.pages=169-186&rft.place=Berlin&rft.pub=Gebr.+Mann+Verlag" style="display:none"> </span></span>
</li>
<li id="cite_note-4"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-4">↑</a></span> <span class="reference-text">Dies behauptet der italienische Kunstschriftsteller der Renaissance, <a href="Giorgio_Vasari" title="Giorgio Vasari">Giorgio Vasari</a>, s. <i>Niello</i>, in: <i>Lexikon der Kunst</i>, Band V, E.A. Seemann Verlag, Leipzig 2. A. 2004 (erstmals 1993), S. 185.</span>
</li>
<li id="cite_note-5"><span class="mw-cite-backlink"><a href="#cite_ref-5">↑</a></span> <span class="reference-text">Walter Koschatzky: <i>Die Kunst der Graphik. Technik, Geschichte, Meisterwerke</i>. Dtv, München 1999, S. 102–3.</span>
</li>
</ol></div><!--htdig_noindex--><div><div class="zim-footer">
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